Sehr geehrte Eltern, Verwandte und Geschwister!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Aufregende Wochen ein Wechselbad der Gefühle liegt hinter ihnen aber nun haben Sie es geschafft und mit ihrem Abitur einen Meilenstein in ihrem Leben genommen. Dazu gratuliere ich ihnen im Namen aller Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich. Lassen Sie uns an dieser Stelle, liebe Eltern, Schüler und Kollegen gemeinsam etwas zurückblicken und einige Gedanken in die Zukunft richten.
Liebe Eltern, 13 Jahre Schule oder zum Teil auch mehr, sind vorbei. Natürlich ist es ein großer Tag und ich hoffe, dass sie alle voller Zufriedenheit und glücklich auf ihr Kind blicken können, aber auch vielleicht etwas wehmutsvoll zurücksehen.
Wie war es doch vergleichsweise einfach in den letzten 13 Jahren wenn man daran denkt, was jetzt auf ihre großen Kinder zukommt, denn die Spielregeln der Schule waren bekannt und die Risiken kalkulierbar. Und was haben sie liebe Eltern - nicht alles geleistet mit ihren Kindern für Klausuren gelernt, viele Tausend Schulbrote geschmiert, unzählige Male geholfen beim morgendlichen Finden von verlegten Büchern/Sportzeug, , Streitereien geschlichtet und dergleichen mehr. Sie sind beruhigt und zufrieden oder - wenn etwas gar nicht so lief, wie es laufen sollte - auch mal mit einem klammen Gefühl im Bauch zu Elternabenden oder zu Einzelgesprächen in der Schule gewesen.
Erleichterung also, Erleichterung über den nun geschafften Schulabschluss und wenn man das Abitur als Fixpunkt ansieht, an dem das eigene Kind endgültig beginnen muss, seinen eigenen Weg zu gehen auch Erleichterung darüber, dass man sich als Eltern endgültig nicht mehr einmischen muss und einen großen Teil der Verantwortung an die jungen Erwachsenen abgeben kann, ja muss.
Toll, großartig, jetzt bist Du dran, aus deinem Leben etwas zu machen wir können nur noch beraten oder finanziell helfen - So könnten Sie denken.
Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten empfinden natürlich vor allem Freude und Erleichterung nach dem letzten Superstress der mündlichen Prüfungen. Endlich - das Abitur ist geschafft, davor verblasst fast alles andere. Wenn ich an einige Gespräche der letzten Schulwochen denke, dann ist das der Tenor von vielen: nur weg aus der Schule mit all ihren Zwängen, der ungerechten Benotung, den langweiligen, für ihre Zukunft zumeist völlig unnötigen Unterrichtsinhalten. Zurückblicken? Wozu? Jetzt beginnt doch das Leben erst richtig!
Ja und wir Lehrer? Business as usual? Haben wir ja jedes Jahr, diesen Aufwand jedes Jahr das Gleiche Die Mühe, Abituraufgaben zu finden, Schüler, die uns mit ungerechtfertigten Notenvorstellungen und wenig Lerneifer konfrontieren, was bin ich froh, dass die endlich weg sind!
War es das als Rückblick? Differenziert von Ihren Eltern, die sie 13 Jahre lang liebevoll begleitet haben, dagegen ermüdet, gelangweilt oder genervt von uns und Ihnen? Nein, wenn wir realistisch und ehrlich sind, dann war da eine ganze Menge mehr! Begonnen haben Sie hier als Kinder voll großer Erwartungen.
Kinder, die erst lernen mussten, ihre eigene Meinung selber zu formulieren und nicht die Ansichten der Eltern oder Mitschüler nachzuplappern. Mädchen, die ihre Hefter liebevoll bunt malten, Diddl-Bilder tauschten und mit heißen Ohren Bravo-Zeitschriften lasen.
Jungen, denen man die Comics unter dem Tisch wegnehmen musste, auch mal diskret daran erinnerte, dass der Dreck unter den Fingernägeln eine echte Bereicherung für den Schulgarten wäre.
Kinder, die zu Beginn ihrer Waldschulzeit dem Unterricht in den meisten Fällen interessiert folgten.
Dann kam die Zeit des Erwachsenwerdens. Wie schwierig, den richtigen Ton gegenüber den Klassenkameraden, den Lehrern und den Eltern zu finden. Wie mühsam der Lernprozess, zu erkennen, dass man unbekannte Situationen/Aufgaben/ erst dann beurteilen kann, wenn man sie kennengelernt hat und nicht vorher als „sowieso blöd oder unnötig“ ablehnen darf.
Im Musikunterricht war das Tanzen in der Runde nur mit Kreischen möglich, die Jungen wurden kreidebleich und hatten schweißnasse Hände, wenn sie neben einem Mädchen stehen sollten und beim Singen war es am besten, ganz hinten zu stehen und nur so zu tun, als ob man sänge, ist ja voll peinlich, das ganze.
Im Unterricht wurde die Nennung der selbstverständlichsten Gegenstände schwierig, der Kartenständer, das Zu-spät-kommen im Unterricht oder Zu-früh-kommen beim Rhythmus-klatschen und die Stunde war gelaufen.
Für uns als Lehrer war ihre 8. und die 9. Klasse die wilde Phase, in der aufgrund ihrer beträchtlichen Hormonschwankungen manchmal Unterricht nur schwer möglich war.
Spätestens Mitte der 10. Klasse hatten die meisten von Ihnen zu einem normalen Lernverhalten zurückgefunden. Dennoch: wie oft haben ihre, manchmal aber auch unsere Nerven blankgelegen in diesen 7 Jahren des Lernens und Erwachsenwerdens, aber über vieles kann man jetzt nur noch schmunzeln. was waren das für Problemchen! Wie sich ihr Horizont geändert hat, können sie natürlich am besten selbst beurteilen, dennoch dazu von mir einige kleine Erinnerungen:
Einige von Ihnen haben in ihrer 7. Klasse an unserem ersten Musicalprojekt Two by two teilgenommen ich erinnere mich noch gut an den kleinen Jungen mit dem viel zu großen Saxophon, der neben seinen Nachbarn etwas verloren wirkte oder an ein Mädchen, das damals Keyboard spielte. Beide wurden auf der Musicalfahrt nach Burg Ludwigstein um halb 11 ohne größere Probleme ins Bett geschickt die Mädchen in dem Zimmer saßen dann noch auf ihren Betten und fertigten träumerisch eine Liste mit Jungennamen an, die sie mir kurz zeigten.
In diesem Jahr haben Sie und andere aus ihrer Altersstufe führende Rollen übernommen und unser Projekt in Teamarbeit weitergeführt.
Diejenigen, die damals dort waren und erst dieses Jahr wieder mitfuhren, haben sich gewundert, wie klein die Burg geworden ist, Gänge, in denen man sich verirren konnte, gabs nicht mehr, der große Probensaal, ziemlich klein, genauso wie das Schwimmbad, Um halb 11 ins Bett? Nein! Dieses Jahr saßen wir bis weit in die Nacht um das Kaminfeuer herum, tranken Rotwein und diskutierten über Gott und die Welt.
Sie sehen: nicht die Burg hatte sich verändert, sondern Sie und ihre Perspektive auf die Dinge!
Damals lernten Sie die Staatsformen Griechenlands und Roms kennen; in diesem Jahr waren einige von Ihnen als Berliner Repräsentanten bei einem internationalen Lateinwettbewerb in Rom.
Damals wussten Sie nicht genau, was H2O ist und der Strom kam für sie aus der Steckdose. Dieses Jahr beschäftigten Sie sich mit dem Massenwirkungsgesetz und der Dotierung von Halbleitern!
Aber neben all dem angesammelten Wissen was machte Ihre Schulzeit aus? Waren es ansonsten eigentlich nur Schlagworte wie: zu früh aufstehen müssen, lernen, Klausuren, Vokabeltests, schon wieder kein Hitzefrei, einige positive Lichtblicke wie die tolle Klassenfahrt, ein gelungenes Schulfest oder gemeinsames Projekt, dann aber wieder Langeweile und selten motivierender Unterricht?
Ist es das, was Sie später nach der Ausbildung/dem Studium Freunden, Bekannten, noch später ihren Kindern von der Schulzeit erzählen werden?
Was macht denn die Schule, die Schulzeit aus? Was ist für Sie und für uns das wesentliche an dieser Institution jenseits von Begriffen wie Schülerzahlen, Klausurendurchschnitt und Stundentafel?
Da gibt es also Schüler, die was lernen wollen/sollen und Lehrer, die es ihnen erklären.
Gut, wir erklärten- und warum haben Sie das dann gelernt?
Weil Sie ein halbes Jahr lang alles geschluckt haben, um am Ende ein DinA4-Blatt mit ein paar Zahlen zu bekommen, deren Summe möglichst gering sein sollte?
Nein, nein, am Anfang sicherlich, weil die Hierarchie in Familie und Schule und der Wertekatalog unserer Gesellschaft Sie zwangen, etwas zu lernen, auch wenn Sie den Sinn davon nicht immer einsehen konnten.
Warum lernt man eigentlich? Kleine Kinder aus Wissbegierde beim Spielen spielerisch. Im Schulalter muss man da schon etwas nachhelfen, bieten, damit Unterrichtsinhalte interessant sind. Das geht am besten durch das Wecken von Interesse, durch Lob, Förderung und Fortschritt bei uns, Bei Ihnen durch das Erkennen der Relevanz, durch Selbermachen, Mitbestimmen, Kreativität.
Einige von Ihnen mögen jetzt vielleicht am liebsten rufen: He, wie oft war denn das in meinem Unterricht der Fall?
'Zu selten!' würde ich ihnen entgegnen. Nicht nur, weil kreativer, selbstbestimmter Unterricht viel aufwendiger für uns Lehrer ist; diejenigen, die mit mir eine Multimedia-CD über Musikgeschichte erstellt haben wissen, dass das kein entspanntes Arbeiten war. Auch, weil sie seltener als gewünscht bereit waren, nicht nur das minimal Verlangte zu tun. Vor allem aber, weil Lernen im Schulalter halt kein Kinderspiel ist, sondern zu 90 % mühsam ist, für jeden und generell.
Einen Sinn im Lernen zu finden, Lernen als „lustvoll“ zu akzeptieren (wie es für Sie in ihren ersten Lebensjahren der Fall war), das ist wohl eine der größten Herausforderungen und ein ständiger Konfliktpunkt. Unzählige Male galt es, den inneren Schweinehund zu überlisten und sich mit ungeliebten Tätigkeiten abzugeben.
Und mit jedem Male, wo dies gelang kamen sie nicht nur zu neuem Wissen, sondern auch und das ist fast noch wichtiger durch Lösung oder Akzeptanz von konfliktträchtigen Situationen zu einem weiteren Baustein ihrer Persönlichkeit, ihrer Bildung, von der Sie ja in ihrer Abiturballeinladung auch gesprochen haben.
Das Schule hier durchaus unvollkommen ist das für sie einige von uns wie das rote Tuch für den Stier waren und umgekehrt keine Frage aber in dieser Beziehung ist die Schule, ist unsere Schule ein Spiegel der Gesellschaft, in der viel zu viel Sinn-losigkeit und Null-Bock-Mentalität existiert bzw. durch verbitterte oder resignierte Lebenseinstellungen und Bürokratie Motivation erstickt wird.
Ich erinnere mich an ein Gespräch 7 Tage vor ihren mündlichen Prüfungen da hinten in der Aula, sie hatten gerade erfahren, in welchen Fächern sie geprüft werden:
So eine Sch.., dieses System ist so unglaublich ungerecht und voller Fehler warum muss ich denn jetzt noch in diese Prüfung in D.... dann folgten einige nicht zitierbare Kommentare und dann nach einer kurzen Gedankenpause: Verdammt, hätte ich mich nur ein Mal, ein einziges Mal in den letzten zwei Jahren zusammengerissen!
Einigen fällt das leichter, anderen noch immer schwer. Diejenigen, denen es leicht fällt, haben dann sogar so viel Elan, dass Sie sich nebenbei für anderes engagieren können; z.B. für Projekte in der Schule wie Theateraufführungen, SV-Arbeit, Schülerzeitung, Musikabende, Renovierung von Klassen oder Gängen, Musicals... Alles Tätigkeiten, für die man keine Note bekommt.
Da ist also in den letzten 7 Jahren irgendwann etwas Neues, ganz wichtiges entstanden bei ihrem „Großwerden“, ihrem Lernen: Nicht nur die Einsicht in Lernen müssen, sondern Verantwortung und Motivation von Innen heraus. Sogar für die Schule!
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der Schule für Sie nicht nur erträglich machte, sondern auch interessant.
Schule ohne motivierte Schüler wäre der Tod für uns für uns alle! Lehren und lernen lebt von der Akzeptanz und Toleranz auch anderer Meinungen, von der Interaktion und vom Feedback. Sie sehen, mir geht’s nicht darum, jetzt zu hinterfragen, ob sie gemischte Brüche und Dezimalzahlen zusammenbekommen (Anfang 7. Klasse), notfalls lernen Sie es wieder mit ihren Kindern, Nein, hier geht es darum, wie sich ihre Fähigkeit entwickelt hat, im Austausch mit den Lehrern und den Klassenkameraden ihre Akzeptanz des Lernens zu optimieren. Manche haben da bei schwierigen Aufgaben noch immer nicht den richtigen Ton gefunden, zu kritisch, ablehnend aus Prinzip, andere konstruktiv, fordernd, ja sogar uns Lehrer mal als unwissend bloßstellend.
Richtig so auch ich habe viel von ihnen gelernt: zum Beispiel bei der Textanalyse politischer Lieder von Tucholsky oder Biermann Worte wie Paronomasie, Enjambement oder antonyme Chiasmata - um nur einige zu nennen - waren böhmische Dörfer für mich, zum Beispiel über meine Lücken in Kirchengeschichte, als wir uns im Zeitalter der Renaissancemusik bewegten und natürlich aus ihrem vielfältigen Spezialwissen bei der Instrumentenkunde, der mp3-Codierung, Video-Codecs, Hip-Hop-Subkulturen, Netzwerkanmeldung etc.
Wenn Unterricht in der Oberstufe, der ohnehin von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägt sein sollte bisweilen die hierarchische Struktur vergessen lässt und somit zu einer Arbeit untereinander wird, bei jeder den anderen als gleicher unter gleichen respektiert, dann wird das Lehren und Lernen auf neue Weise spannend.
Manchmal muss bzw. sollte man sogar die Führung auch für längere Sequenzen den Schülern überlassen. Vor vier Jahren hat Maria Fedorova als 10. Klässlerin für 30 Oberstufenschüler der 12. Klassen die Choreographien für Once upon a mattress entwickelt und eingeübt und unsere Stompvorführung mit den Besen wäre ohne Lina lange nicht so ein Erfolg geworden.
Sie sehen, es gilt also immer wieder für uns Lehrer, Inhalte zu finden, mit denen man Schüler begeistern kann, Unterrichtsgegenstände, die Mut machen, mehr zu wagen, als man eigentlich bereit ist zu geben!
Ein Referat alleine frei vor der Klasse halten? Singen vor den anderen? Etwas vorspielen? Auf der Bühne vor 100erten von Leuten tanzen?
Bisweilen muss man etwas nachhelfen und dann kommen neue Fähigkeiten / Fertigkeiten zu Tage, von deren Intensität die Beteiligten wenig geahnt haben: Schauspielerische Begabungen genauso wie musikalische, aber auch soziale Fähigkeiten der Führung, Leitung. Und Schritt für Schritt bekommt derjenige manchmal etwas geschoben - mehr Mut, mehr Selbstbewusstsein und kann sich an noch größere Aufgaben wagen. Erinnern möchte ich hierbei auch daran, dass einige von Ihnen aus eigenem Antrieb heraus Rahmenplanänderungen erstritten haben, das sie es geschafft haben Lehrerzeugnisse mit Abertausenden von Bewertungen zu erstellen, und Projekttage zu organisieren, vergleichsweise große Aufgaben neben den vielen jetzt abgeschlossenen Projekten ihres Jahrgangs wie der gestrige gelungene Abischerz, die Abifahrt etc.
Wenn man so etwas Großes geschafft hat, dann ist man unbestreitbar glücklich und dieses Gefühl vergeht nicht innerhalb von ein paar Stunden wie der Geschmack eines guten Essens. Noch mal zu unserem letztes Musical: was für andere Augen, was für ein Lächeln am Morgen nach der Premiere in allen Gesichtern, die zum ersten Mal auf der Bühne vor 400 Personen gespielt hatten oder davor musizierten. So etwas trägt einen lange, lässt andere Ärgernisse viel kleiner werden, hilft auch, ungeliebte Arbeiten auszuhalten.
Auch für uns Lehrer ist das wichtig, wichtig zu spüren, dass wir etwas bewegen konnten, das wir es geschafft haben, ihrer medial so überfrachteten Jugendgeneration etwas in die Hand zu geben, was sie nicht einfach gedanklich weglegten wie die Vokabeln der letzten Lektion oder ein Computerspiel.
Habe ich jetzt schamlos übertrieben? Alles unangenehme weggelassen? Alle Fehler im System verschluckt? Nein, nein, ich bin nur kein Pessimist, sondern ein Optimist. Der aus ihren Reihen immer wieder vorgetragenen Kritik an der Schule, auch an einzelnen Kolleginnen und Kollegen kann ich nur entgegnen:
1. Es wird überall nur mit Wasser gekocht
2. Vieles von dem hier Gelernten können sie noch gar nicht sinnvoll bewerten, sie werden es messen müssen in ihrem neuen Berufsausbildungsabschnitt.
Wie waren die Lehrer, wie war das Lernklima in der Schule im Vergleich zu...
Ja den Vergleich haben sie ja noch gar nicht!. Sie sind zwar alle gnadenlose Experten auf dem Gebiet der Lehrerbeurteilung, aber die meisten von ihnen wissen ja gar nicht, wie es woanders aussieht:
Und es wird ganz anders aussehen!
Z.B. bei der Bundeswehr oder in der Berufsschule dort Grundrechenarten und Groß- und Kleinschreibung.
Im Studium werden Sie froh sein, wenn sie im Hörsaal einen Sitzplatz bekommen. Ein Script bzw. Kopien für das Lernen sind nicht mehr eine Selbstverständlichkeit sondern vermutlich die Ausnahme.
Hier wurde ihnen ein Kurs zugewiesen, dort müssen sie darum kämpfen.
Hier hatten Sie Springstunden und einige freie Nachmittage dort warten vielleicht 38 Semesterwochenstunden auf sie plus komplette Wochenenden in der Bibliothek.
Hier war der Kontakt zum Lehrer einfach und selbstverständlich, dort wird er viel schwieriger sein.
Hier bekamen Sie Lernmaterial gestellt, dort müssen Sie es sich selber besorgen.
Und ob ihnen alle Fächer, die sie in ihrer zukünftigen Ausbildung belegen müssen sinnvoll erscheinen, wage ich sehr zu bezweifeln.
Mit einem Wort ihre Eigeninitiative und ihr eigenständiges Lernen Fähigkeiten, die sie hier mehr oder weniger entwickelt haben bzw. entwickeln konnten, werden Sie dort in wesentlich höherem Maße strapazieren müssen, denn die Rahmenbedingungen werden momentan immer schlechter das gilt für uns in der Schule, das gilt aber auch für Sie und ihren neuen Lebensweg überall fehlt es an Geld und dem nötigen Willen, etwas zu verändern, überall herrscht unter Entscheidungsträgern Selbstbedienungsmentalität und das Sankt Florians-Prinzip.
In dieser Situation brauchen wir alle Sie und ihr Engagement:
Sie werden feststellen, dass Hochschullehrer oft keine pädagogische Ausbildung machen mussten und Seminare oder Vorlesungen unerträglich sind. Tun sie etwas dagegen, indem Sie in den entsprechenden Gremien unserer demokratischen Gesellschaft für neue Konzepte arbeiten, wie es einige aus ihrer Mitte heraus schon getan haben.
Bildung ist eines der wichtigsten Güter, die wir in unserer Gesellschaft anbieten können. Arbeiten Sie weiter für die Erneuerung, Modernisierung unserer Gesellschaft und unserer Bildungsinstitutionen. Seinen Sie auch dort weiterhin aktiv und kreativ! Wer, wenn nicht Sie, denn Sie haben das Zeug dazu, weil Sie den besten Schulabschluss unseres Schulsystems erhalten haben. Wie er ausgefallen ist: 1,2 oder 3,8, das hat sich im Wechselspiel unseres Lehrens und ihres Lernens entwickelt. Egal mit welchem Durchschnitt sie abgeschlossen haben. Sie haben unterschiedlichste Fächer kennen gelernt und das Rüstzeug für eigenständiges Weiterarbeiten entwickeln müssen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil in ihren nächsten 10 Jahren, denn viele von ihnen werden nicht die Möglichkeit haben, geradlinig ihren angestrebten Traumberuf zu verwirklichen.
Gestatten Sie mir am Ende dieser Rede noch eine kleine, mir aber wichtige persönliche Anmerkung: Der Lehrerberuf steht ja in der Wertehierarchie weit unten vermutlich etwas oberhalb der BSR. Dennoch gilt für mich und für viele andere hier: Dies ist ein besonderer Beruf, denn die Schule ist der einzige Ort, an dem ich dabei zusehen kann, wie aus Kindern Erwachsene werden, ein unvergleichlicher Zeitraum, den ich in keinem anderen Beruf haben könnte, nicht im Kindergarten, in der Grundschule und nicht als Lehrer an der Universität. Nirgendwo sonst kann ich Menschen 7 entscheidende Jahre lang in ihrem Leben begleiten und, so hoffe ich, auch etwas formen, indem ich ihnen etwas von dem vermittele, was ich für wichtig im Leben halte.
Ich habe viele fruchtbare Stunden mit ihnen zusammen verbracht. Deshalb an dieser Stelle: Danke an alle, denen ich etwas beibringen konnte und die meine Art des Unterrichtens mit all ihren positiven und negativen Seiten akzeptiert haben. Für mich war es eine zumeist sehr schöne Zeit!
Wir alle haben ihr Engagement, ihre Selbstdisziplin und ihr Durchhaltevermögen immer wieder auf neue auf die Probe gestellt und Leistungen gefordert. Jetzt erhalten Sie das Ergebnis, machen Sie das Beste daraus, ich wünsche Ihnen alles Gute für ihre Zukunft!
Und wenn Sie in 1-2 Jahren Fuß gefasst haben in ihrem nächsten Lebensabschnitt, dann schauen Sie mal wieder rein und lassen Sie uns Resümee ziehen über ihre Schulzeit. Bis dahin: Nutzen Sie den Verein der Ehemaligen für Informationen, was sich in den nächsten Jahren in dieser Schule, ihrer Schule tun wird!
Tschüss!
Frank Rundfeldt